Kurzbeschreibung des Projekts
Sensorgestützte Sortiersysteme schleusen Objekte häufig mit Druckluft aus. Dafür muss sehr genau bekannt sein, wann welches Objekt welche Düse erreicht. Klassische Zeilenkameras erfassen ein Objekt jedoch meist nur einmal und liefern kaum Informationen über seine weitere Bewegung. GRIZZLY löst diese Herausforderung, indem Sortierobjekte nach ihrer Erkennung weiterverfolgt werden: Ihre Position wird bis kurz vor der Ausschleusung aktualisiert, statt nur aus einer Momentaufnahme vorhergesagt zu werden. Dafür nutzt das Projekt Event-Kameras, die nicht ganze Bilder aufnehmen, sondern nur Änderungen in der Szene registrieren. So lassen sich bewegte Objekte besonders schnell und mit sehr geringer Latenz tracken.
Projektziele
Ziel des Projekts ist es, die schnelle Bewegungserfassung eventbasierter Kameras mit der Klassifikation einer Zeilenkamera zu verbinden. Die Zeilenkamera erkennt und bewertet die Objekte im Materialstrom, während die Event-Kamera deren Flugbahnen mit sehr geringer Latenz weiterverfolgt. Der IOSB-Projektanteil umfasst den mechanischen Demonstrator, die Integration der Zeilenkamera, die Sensorfusion, die Kalibrierung zur Ventilreihe sowie die Sortierversuche. So soll die Druckluftausschleusung nicht mehr auf festen Bewegungsannahmen beruhen, sondern objektindividuell und präzise ausgelöst werden – auch bei heterogenen, leichten oder schwer sortierbaren Materialien.
Beitrag des Fraunhofer IOSB
Im Projekt entstand ein voll integrierter Labordemonstrator, der Zeilenkamera und Event-Kamera in Echtzeit fusioniert und die Ventilreihe gezielt ansteuert. In Versuchen mit sechs Materialklassen erreichte das eventbasierte Tracking eine effektive Latenz von 4 ms und beim engsten getesteten Aktivierungsfenster eine mittlere Ausschleusungsgenauigkeit von 98,2 %. Damit lag GRIZZLY deutlich über zeilenkamera- und framebasierten Referenzverfahren. Die Ergebnisse zeigen: Wenn Objektpositionen bis kurz vor der Düse zuverlässig bekannt sind, können Druckluftimpulse kürzer und gezielter eingesetzt werden – eine Grundlage für präzisere und ressourcenschonendere Sortieranlagen.
Im Fraunhofer SME Projekt HAWK wird das System weiterentwickelt, um anhand der Trajektorie der Objekte nach der Ausschleusung in Echtzeit bewerten zu können, ob Objekte korrekt abgelenkt wurden. Daraus soll mit Hilfe von selbstlernende Verfahren eine Objektspezifische Ansteuerung gelernt werden, die noch mehr Objekteigenschaften in Betracht zieht.
Lesen Sie dazu unsere Veröffentlichung, den Download finden Sie unten links auf der Website.
Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB