Stellungswahlassistent (SWA)

Geländeauswertung zur Unterstützung der Operationsplanung und Gefechtsführung

Der Stellungswahlassistent (SWA) dient zur Beschleunigung des Führungsprozesses der Landstreitkräfte. Ziel ist die automatisierte Überprüfung des Geländes auf Merkmale, die charakteristisch für wirksame Stellungen sind.

Operationsplanung per Hand und Kugelschreiber auf topografischer Karte
© Fraunhofer IOSB
Operationsplanung auf topografischer Karte
Bewegungsprognose – Die Farbe zeigt die Geländerelevanz
© Fraunhofer IOSB
Bewegungsprognose – Die Farbe zeigt die Geländerelevanz

Gefechtsführung im Wettlauf gegen die Zeit

Die Auswahl günstiger Gefechtsstellungen auf einer topografischen Karte ist zeitaufwändig und fehleranfällig. Die begrenzte Kartenauflösung führt zu Fehleinschätzungen – Positionen erscheinen geeignet, erweisen sich im Gelände aber als unbrauchbar. Die Folge: Erkundungskommandos »verfahren« sich, landen an ungeeigneten Orten und müssen weitersuchen. Jede zusätzliche Minute im Gelände erhöht das Risiko dramatisch: Auf dem gläsernen Gefechtsfeld werden Ziele in Sekunden lokalisiert und sofort unter Beschuss genommen. Wo Sekunden über Leben und operative Wirksamkeit entscheiden, fehlt ein System, das die Stellungswahl automatisiert und präzise macht.

Der SWA liefert die besten 5 % des Gebiets

Der Stellungswahlassistent automatisiert die Geländebewertung – KI-gestützt, aufbauend auf dem Erfahrungswissen und Vorgehen der Soldatinnen und Soldaten. Die Analyse dauert nur noch wenige Minuten. Das Ergebnis ist eine präzise Karte, die auf einen Blick zeigt, welche Positionen maximale Wirkung bei optimaler Deckung bieten. Die Erkundung erfolgt zielgerichtet. Ungeeignete Stellen werden gar nicht erst angefahren. So bleibt mehr Zeit für Qualität und Führungsarbeit – und die Soldaten bleiben länger in Deckung.

Verarbeitungsprozess und technische Parameter

Frei verfügbare Geländedaten, sogenannte digitale Höhenmodelle, bilden die Berechnungsgrundlage für die automatisierte Terrainanalyse. Die Analyse berücksichtigt:

  • Schussfeld
  • Deckung
  • Befahrbarkeit
  • Angriffsrichtung
  • Waffensystemparameter

Als Ergebnis erhält der Nutzer ein georeferenziertes Overlay, verwendbar in allen gängigen Führungsinformationssystemen und Geoinformationssystemen (GIS). Weitere Ergebnisse, welche der »Stellungswahlassistent« liefert, sind:

  • Stellungen mit sicheren An- und Abmarschwegen
  • Bewegungsprognose gegnerischer Kräfte

Stellungen auf offenem Feld werden dadurch vermieden. Die Bewegungsprognose simuliert, wie sich gegnerische Einheiten durch das Gelände bewegen – basierend auf Geländebeschaffenheit und Landbedeckung. Bereiche mit hoher prognostizierter Truppendichte zeigen Engstellen und Schlüsselgelände, das für die weitere Operationsplanung besonders relevant ist.

Validiert durch die Truppe: 5× schneller, 90% valide

Mehrere Erprobungen mit Soldatinnen und Soldaten bestätigten den operativen Nutzen: »90 Prozent der Stellungen sind nutzbar, das sind super Zusatzinformationen«, so das Urteil für bekanntes Gelände. Ein Ausbilder schätzte die Zeitersparnis auf mindestens Faktor fünf – aus etwa einer Stunde wurden zehn Minuten. Das Analysegebiet reduziert sich auf fünf Prozent der Gesamtfläche.

Besonders bei schwierigen Bedingungen überzeugt das System: »Stellungen können damit vor allem bei Nacht oder eingeschränkter Sicht viel präziser ermittelt werden.« Selbst wenn die Erkundung sehr schwierig ist, liefert der »Stellungswahlassistent« sichere Entscheidungsgrundlagen. Großflächige Analysen werden blitzschnell durchgeführt und unterstützen eine datengetriebene, KI-gestützte Gefechtsführung.

Entwicklungsperspektiven

  • Schneller rechnen: Maschinelle Lernverfahren verkürzen die Berechnungszeit und ermöglichen Echtzeit-Geoanalyse
  • Präziser bewerten: Bewertungslogik wird feiner an verschiedene Truppengattungen angepasst
  • Automatisch planen: Operationspläne als Entscheidungsvorschläge – vollautomatisiert

Zusammenarbeit und Weiterentwicklung

Militärische Dienststellen, Ausbildungseinrichtungen und Forschungspartner, die den Stellungswahlassistenten erproben oder an spezifischen Erweiterungen mitwirken möchten, wenden sich an die Gruppe »Geo-Intelligence« des Fraunhofer IOSB. Die Gruppe arbeitet an KI-gestützter Geodatenanalyse, GIS-Plugins, Gefechtsfeldsimulation und digitalen Zwillingen des Geländes.  Beratung zu Integrationsprojekten und anwendungsspezifischen Anpassungen sind möglich.

 

Abteilung SZA des Fraunhofer IOSB

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MilitAR-Sandbox

Die »MilitAR-Sandbox« funktioniert als tangible User Interface – eine Schnittstelle, die digitale Daten durch physische Interaktion greifbar macht.