Multispektrale Täuschsysteme für die moderne Kriegsführung
Im Laufe langjähriger Forschungsarbeit hat das Fraunhofer IOSB umfangreiches Fachwissen bei der Bewertung von Tarnmaterialien und militärischen Täuschkörpern aufgebaut, darunter Systeme wie StandCam (Standard Decoy for Camouflage Materials), aufblasbare Systeme sowie Attrappen aus Holz und Glasfaser. Jeder dieser Ansätze bietet spezifische Vorteile hinsichtlich Einsatzgeschwindigkeit, Kosteneffizienz und Signaturtreue. Umfassende Feldversuche bilden die Grundlage für die Bewertung der Täuschungswirksamkeit in verschiedenen Einsatzszenarien und unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen. Auf der Grundlage dieser Erfahrungen haben wir das ALOPEX-Tool (ALgorithms for cOnspicuity Parameter EXtraction) entwickelt, um die quantitative und objektive Bewertung sowie Optimierung von Signaturen über relevante Spektralbänder hinweg zu ermöglichen.
Bedeutung von Tarnung und Täuschung
Angesichts der jüngsten Konflikte deutlich zugenommen, in denen feindliche Streitkräfte häufig Täuschkörper einsetzen, um den Gegner dazu zu zwingen, wertvolle Ressourcen für falsche Ziele aufzuwenden. Passive Täuschkörper, wie beispielsweise Systemnachbildungen hochwertiger Anlagen, haben optische Luftaufklärungssysteme erfolgreich getäuscht, was die anhaltende Wirksamkeit dieses Ansatzes selbst gegenüber hochentwickelten Überwachungsplattformen belegt. Diese Praxiserfahrungen unterstreichen den strategischen Wert von Investitionen in fortschrittliche Täuschungsfähigkeiten.
Ausblick
Mit Blick auf die Zukunft werden die zunehmenden Aufklärungsfähigkeiten und der weit verbreitete Einsatz von Drohnen und Satelliten fortschrittlichere multispektrale Täuschsysteme erfordern, die mehrere Erkennungsmodalitäten gleichzeitig abdecken. Moderne Täuschsysteme müssen daher in der Lage sein, mehrere Dimensionen der Täuschung abzudecken, um wirksam zu bleiben. Über die realistische Nachbildung von Signaturen im elektrooptischen, elektromagnetischen, akustischen und Radarspektrum hinaus sind physische »Lebenszeichen« wie glaubwürdige Fahrzeugspuren und beobachtbare Aktivitätsindikatoren – darunter simulierte Positionsänderungen und Einsatzmuster – für die Glaubwürdigkeit von Täuschkörpern unerlässlich. Ohne diese Elemente könnten selbst spektral präzise Täuschkörper von geschulten Analysten oder ausgefeilten Algorithmen, die nach kontextbezogenen Hinweisen auf echte militärische Aktivitäten suchen, als falsch erkannt werden.
Zielsetzung
Darüber hinaus muss die kombinierte Bedrohung durch menschliche Analysten und KI-basierte Aufklärungssysteme systematisch analysiert und bekämpft werden. Künstliche neuronale Netze werden zunehmend für die militärische Aufklärung eingesetzt, da sie große Mengen an Bild- und Sensordaten schnell verarbeiten können. Sie lassen sich jedoch auf eine Weise täuschen, die sich grundlegend von den Methoden unterscheidet, die bei menschlichen Beobachtern anwendbar sind. Während herkömmliche Tarnung und Täuschkörper auf die visuelle Täuschung des Menschen abzielen, erfordert eine auf KI ausgerichtete Tarnung möglicherweise abstrakte, hochgradig anpassungsfähige Muster, die speziell darauf ausgelegt sind, Schwachstellen der KI und Mängel bei der Klassifizierung auszunutzen. Wirksame moderne Täuschkörper erfordern daher einen dualen Bewertungsansatz, der die Wirksamkeit der Täuschung sowohl gegenüber menschlichen Beobachtern als auch gegenüber KI-Systemen misst, da die Merkmale, die einen Täuschkörper für den einen realistisch erscheinen lassen, gegenüber dem anderen nicht unbedingt wirksam sind.
Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB