Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

Rettungskräfte und Forscher probten den Ernstfall

Rettungskräfte und Forscher probten den Ernstfall

Geplante Explosion in einem ehemaligen Fabrikgebäude. Mit diesem Großversuch startete das Fraunhofer-Netzwerk »Future Urban Security«. Wissenschaftler und Rettungskräfte testeten am 19. April 2011 in Bad Säckingen unter realen Bedingungen Technologien, die dazu beitragen, Menschen soweit wie möglich zu schützen.

 

 

Welche Gebäudeteile sind nach einer Explosion einsturzgefährdet? Können Rettungskräfte noch gefahrlos das Gebäude betreten? Rund 150 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks THW, der Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes waren bei der Übung in Bad Säckingen im Einsatz. Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut EMI und Experten vom THW haben die Sprengung vorbereitet. »In die zweistöckige Fabrikhalle haben wir ein Funksensornetz integriert. Diese Fühler in der Wand registrieren, wie sich die Wucht der Explosion auf die Gebäudestruktur auswirkt und sie erkennen die verbliebene Tragfähigkeit der Wände. Diese Information geben sie automatisch an das Sicherheitsmanagementsystem weiter. In der Einsatzzentrale erhält dann der Einsatzleiter die aktuellen grafisch aufbereiteten Informationen und kann sofort entscheiden, was zu tun ist. So erkennt er schnell Zugangswege für größtmögliche Sicherheit der Rettungskräfte und Opfer der Katastrohe.

Intelligente Gebäude können Leben retten
An diesen »fühlenden, robusten Wänden« arbeiten seit 2008 auch Forscher des IOSB im Projekt »Automatisierte Informationsgewinnung und Schutz kritischer Infrastruktur im Katastrophenfall« (AISIS). Das Projekt wurde mit 4,1 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF gefördert. Unter der Projektleitung der Fa. Züblin AG haben elf Partner aus Wissenschaft, Industrie und Sicherheitsbehörden gemeinsam nicht nur ein Sensorsystem, sondern auch einen Hochleistungsbeton entwickelt. Im Falle eines Erdbebens oder eines Feuers weist dieser ultra-hochfeste Beton eine verbesserte Tragfähigkeit und optimierte Materialeigenschaften auf. Biegsame Konstruktionen stabilisieren die Gebäude zusätzlich.

Mit künstlichen Augen
Eine schnelle Aufklärung der aktuellen Lage im Einsatzgebiet ist für die Einsatzkräfte besonders wichtig. Hier sorgte das IOSB mit seinen fliegenden Sensorträgern aus AMFIS (Aufklärung mit Miniaturfluggeräten im Sensorverbund) für einen schnellen Überblick aus der Luft. Die Minihubschrauber , so genannte Quadrocopter, tragen Video- , Infrarot- oder optische Kameras in ihren Köchern, mit denen sie das Gebiet überfliegen und die Luftaufnahmen per Videodownlink sofort an eine Bodenstation schicken, die diese Informationen sofort an die Einsatzleitstelle weiterleitet. Ein weiterer Vorteil: die Geräte können als intelligenter Schwarm losgeschickt werden und mit unterschiedlichen Sensoren sehr unterschiedliche Daten gleichzeitig erfassen. Auch chemische oder Gassensoren könnten so für verbesserten Schutz der Rettungskräfte und die Menschen in direkter Nachbarschaft sorgen.

  • Die global voranschreitende Urbanisierung macht uns auf eine neue Weise verwundbar gegenüber Naturkatastrophen, internationalem Terrorismus, organisierter Kriminalität und den Folgen von Großunfällen. Unternehmen, Forschungsinstitute, Universitäten und öffentliche Sicherheitsbehörden in Baden-Württemberg und darüber hinaus arbeiten in diesem Cluster aktiv zusammen, um durch anwendungsorientierte Forschung innovative Technologien und Lösungen zur Gewährleistung der Sicherheit der Bevölkerung vor allem in urbanen Gebieten zu entwickeln.

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