Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB
Institutsteil Industrielle Automation

Aus dem Hörsaal ins Wirtschaftsprojekt

Aus dem Hörsaal ins Wirtschaftsprojekt

Duale Studentin stellt bei Fraunhofer in Lemgo Ihre Forschung vor und trifft damit den Nerv der Unternehmen...

Interview mit Katharina Giese, 20, duale Studentin der Technischen Informatik an der Hochschule OWL und in Kooperation mit Fraunhofer IOSB-INA: Sie berichtet über Ihre Erfahrungen in der größten Gesellschaft für angewandte Forschung in Europa und über Ihren Auftritt vor internationalem Publikum auf dem Fachkongress „Machine Learning for Cyber Physical Systems“ (ML4CPS).

 
Katharina Giese und Arthur Nasarenko (ebenfalls dualer Student in Lemgo) bei der Teamarbeit in den bequemen Räum-lichkeiten für kreative Köpfe und Gründer im Centrum Industrial IT.

 

Katharina, an welchem Punkt Ihres Studiums befinden Sie sich? Womit beschäftigen Sie sich fachlich?


Momentan befinde ich mich im dritten Semester meines dualen Bachelorstudiums Technische Informatik hier an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, in Kooperation mit dem Lemgoer Fraunhofer IOSB-INA. Durch die verschiedenen Arbeitsgruppen hier bei Fraunhofer bewege ich mich thematisch in unterschiedlichen Richtungen. Mein erstes Jahr habe ich vor allem in der Gruppe „Maschinelles Lernen“ verbracht. Somit standen Da-tenaufbereitung und erste Auswertungen auf der Tagesordnung. Mit meinem kürzlichen Wechsel zur Arbeitsgruppe „Intelligente Sensorsysteme“ bekomme ich jetzt die Mög-lichkeit, mich an elektrotechnischen Themengebieten, wie z.B. Microcontroller-Programmierung und hardwarenahen Signalanalysen zu versuchen.

Fraunhofer ist mit 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und über 60 Stand-orten eine große Forschungslandschaft. Wie kamen Sie ausgerechnet auf Lemgo?


Von Göttingen ausgehend erstmals auf Lemgo gekommen bin ich durch die Möglich-keit, meinen Wunschstudiengang dual studieren zu können. Unter den dualen Partnern fand sich auch schnell die Fraunhofer-Gesellschaft als mein Favorit, von der ich bereits in der Schule viel gehört hatte. Durch die Nähe zum Centrum Industrial IT, wo das Fraun-hofer IOSB-INA (noch) untergebracht ist, und der Hochschule, habe ich sowohl kurze Wege zu den Hörsälen und weiteren Partnern, als auch die Gelegenheit, meine Profes-soren in ihren Forschungsprojekten zu treffen. Darüber hinaus bietet Fraunhofer den Dual Studierenden nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums auch eine Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin und vielfältige Möglichkeiten der Weiterqualifizierung an. Das reicht vom berufsbegleitenden Masterstudium bis hin zu Promotion. Zudem schätze ich die Hochschulstadt Lemgo, die von Sportangeboten bis zu „Kläschen“ einiges zu bieten hat, um sich auch mal vom Studienalltag zu erholen.

 

Was ist für Sie fachlich die spannendste Herausforderung?

Die spannendste Herausforderung für mich ist besteht darin, die heutzutage gegebenen Mittel angemessen anzuwenden. So gibt es z.B. beim Maschinellen Lernen viele ver-schiedene Algorithmen, um Wissen in Computermodelle zu überführen – aber manchmal genügt ein zweiter Blick, um zu erkennen, dass man nicht „mit Kanonen auf Spatzen schießen“ muss. In dem Streben, effiziente Lösungen für den Mittelstand anbieten zu können, braucht es auch einen gelegentlichen einen Schritt zurück, um neue Ansät-ze zu finden.

 

Wie erleben Sie das Umfeld am Fraunhofer IOSB-INA?

Dass ich heute Morgen hier in der Küche Schokoladenkuchen gefrühstückt habe, den ein Kollege einfach mal so mitgebracht hat, sagt glaube ich schon alles. Die Kollegen hier sind freundlich und hilfsbereit. Bei Fragen findet sich immer ein Ansprechpartner und nach ein paar Wochen kennt man auch schon die meisten Namen. Und falls es mal mehr als ein Kaffee sein darf, dann kann man es sich im Betriebsrestaurant Ciitrus gemütlich machen.

 

Die ML4CPS ist einer der wichtigsten deutschen Fachkongresse für maschinelles Lernen in der Produktion. Wie kam es zu Ihrer Einreichung und was waren Ihre Eindrücke?

Zur ML4CPS kam ich über ein Thema, an dem ich zu dem Zeitpunkt geforscht habe. Mein Betreuer hatte die Idee, über den Einsatz eines Differentiellen Evolutionsalgorithmus in der Prozessoptimierung nachzudenken und hatte prompt mich mit der Aufgabe betraut. So habe ich mich über ein paar Monate in das Themengebiet eingearbeitet und geforscht. Als dann die ML4CPS vor einigen Wochen hier in Lemgo unter Leitung von Professor Oliver Niggemann, stellvertretender Leiter des Fraunhofer IOSB-INA, stattfand, bot sich die ideale Gelegenheit, meine Ergebnisse einem Publikum aus Industrievertretern und Wissenschaftlern vorzustellen. Vor ca. 80 Leuten (darunter auch Vertreter von Microsoft, IBM und Volkswagen) durfte ich präsentieren und bin im Laufe der 1,5 Tage über gemeinsame Interessen in regen Austausch mit Experten aus der Wirtschaft getreten.


Vor internationalen Forschungs- und Wirtschaftsvertretern: Katharina Giese präsentiert Ihre Forschungsergebnisse auf der ML4CPS 2017 in Lemgo. 

 

Hat sich schon eine Zusammenarbeit aus dem Kontakt ergeben?

Besonders ein Kontakt von der ML4CPS hat großes Interesse an dieser Anwendung des Algorithmus und den daraus resultierenden Möglichkeiten verlauten lassen, was, wenn alles gut läuft, auch zu einer neuen Zusammenarbeit führen kann.

Vielen Dank für das Interview und weiter viel Erfolg im Studium, Katharina.