Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB
Institutsteil Industrielle Automation

Zusammenarbeit von Ostwestfalen-Lippe und Fernost im Bereich der Industrie 4.0

Zusammenarbeit von Ostwestfalen-Lippe und Fernost im Bereich der Industrie 4.0

Lemgo/Hannover/Huai‘An. Ausbau der partnerschaftlichen Verbindungen mit Chinas Avantgarde für Automatisierung: Fraunhofer IOSB-INA und das Institut für Automatisierung und Industrie Technologie GmbH (IAIT) sind eine Kooperation zur Errichtung einer Demonstrationsanlage für Industrie 4.0-Anwendungen eingegangen. Ende des Jahres soll dieses in Lemgo gebaute und getestete System nach China transportiert werden, und dort, ähnlich wie in Ostwestfalen-Lippe, Unternehmen den Nutzen von Industrie 4.0-Technologien in der Produktion demonstrieren. Nach der Ankunft in China wird die Anlage in einem Technologiepark in Huai’An, einer Millionenstadt im Osten des Landes, aufgebaut.  


Was bei einem Kontakt auf der Hannover Messe 2016 begann, entwickelte sich schnell zu einer vertieften Kooperation, die nun ihr erstes konkretes Projekt stemmt: In einem Technologiepark 400 km nördlich von Shanghai sollen in Huai’An zukünftig Unternehmen über die Potentiale von Industrie 4.0 Technologien und der Digitalisierung informiert werden, um die Modernisierung der chinesischen Produktionsbetriebe voranzutreiben. Das Demonstrationssystem soll als Startpunkt der Begleitung von Unternehmen auf ihrem Weg in die Produktion der Zukunft fungieren. Insgesamt nimmt die Gesamtfläche für die Montagelinie und Ausstellungsfläche 1200 qm ein. 

(Bild: Fraunhofer IOSB-INA) 

Layout der modularen Montagelinie für die variantenreiche Fertigung

 

Dazu Thomas Nolting, Geschäftsführer IAIT: »Der Technologietransfer bekommt mit dieser Referenzanlage eine visuell-argumentative Unterstützung, um Sino-German-Projekte ideal zu begleiten. So lassen sich bestehende Produktionsanlagen mit deutschem Know-how modernisieren und Schulungen, Seminare und Workshops runden das Networking didaktisch ab. Gerade die Geschäftsanbahnung zwischen Regierungen und Unternehmen lässt sich mit so einer Leuchtturmapplikation perfekt kanalisieren, so dass dieser Industriepark in Huai’An die Richtung vorgibt, um Industrie 4.0-Funktionalitäten zu realisieren und weitere Nachfolgeprojekte zu generieren.« 


Die Bedeutung des Projekts für die chinesische Wirtschaft wird mit Blick auf das Engagement seitens der Regierung deutlich. Chinas Wirtschaftsministerium hat ein großes Interesse daran, das Vertrauen in die Produktqualität und Innovationskraft zu stärken. »Made in China 2025«, das Äquivalent zum deutschen Begriff der Industrie 4.0, steht in diesem Projekt nicht im Wettbewerb mit deutschen Technologiebausteinen – die in der Demonstrationsanlage eingesetzte Hardware ist am Markt verfügbar und damit Stand der Technik.  Vielmehr geht es um den Ausbau des deutschen Engagements in der Kooperation mit China und um die didaktischen Möglichkeiten einer solchen Testumgebung zur Sensibilisierung, Qualifikation und Forschung. Angelehnt an ein in der SmartfactoryOWL in Lemgo bereits vorhandenen Montagesystems wird die neue Anlage über einige interessante Schlüsseltechnologien verfügen, vom Bereich der Assistenzsysteme in der Montage bis hin zum 3D-Prototypen-Druck. Wie auch in der SmartFactoryOWL werden in der chinesischen Forschungsfabrik die Vorteile der Automatisierung und der Vernetzung anhand eines variantenreichen Produktes demonstriert.


In Huai‘An wird ebenfalls ein RFID-gestütztes Steuerungskonzept, Robotikanwendungen, Lösungen zur intelligenten Qualitätskontrolle sowie »Losgröße 1-Fertigung realisiert werden. Darüber hinaus sollen die Möglichkeiten zur Fernwartung und Anbindung an mobile Endgeräte, wie Tablet PCs, demonstriert werden.


Projektleiter bei Fraunhofer in Lemgo, Dr. Holger Flatt, ist begeistert vom ambitionierten Projektumfang und der internationalen partnerschaftlichen Kooperation: »In diesem innovativen und strategisch bedeutsamen Projekt legen wir die Grundlage, um zukünftig unsere Industrie 4.0 Technologien für produzierenden Unternehmen weit über die Grenzen von OWL und Deutschland nutzbar zu machen.«