Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

Thüringer Unterwasserroboter spürt verschollenes Flugzeug auf

Thüringer Unterwasserroboter spürt verschollenes Flugzeug auf

Ilmenau, 19.09.2017 - Das am Fraunhofer IOSB-AST Ilmenau entwickelte, autonome Unterwasserfahrzeug DEDAVE hilft derzeit bei der Suche nach historischen Testmodellen des Deltaflügel-Abfangjägers Avro Canada CF-105 im Ontariosee. Der Fund eines 1:8 Modells am 07. September produzierte ein gewaltiges Medienecho in Kanada bis hin zu einer Veröffentlichung in der New York Times.

 

Nachbau der Avro Canada CF-105 »Arrow«. Bildquelle: Ken Mist, CCSA. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

 

Die Suche ist dabei auch die erste Bewährungsprobe für den so genannten ThunderFish alpha, einem vom Fraunhofer IOSB-AST unter dem Namen DEDAVE in Ilmenau entwickelten und derzeit von der kanadischen Firma Kraken Sonar Inc. lizensierten autonomen Unterwasserfahrzeug. Die Fundstücke des Abfangjägers sollen später im nationalen kanadischen Luftfahrt-Museum ausgestellt werden.

 

Das kanadische Projektteam mit dem in Ilmenau entwickelten Unterwasserfahrzeug DEDAVE. Bildquelle: Raise the Arrow

 

Der Überschall-Deltaflügler Avro Canada CF-105 wurde Mitte bis Ende der 1950er Jahre in Kanada als Abfangjäger entwickelt. In den kanadischen Museen existieren bisher jedoch nur Nachbauten dieses historischen Flugzeuges. Bei der Entwicklung des Flugzeuges wurden zahlreiche Tests von einer Basis am Ufer des Ontariosees durchgeführt. Dabei wurden Modelle des späteren Flugzeugs auf Trägerraketen befestigt und nach dem Start auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt. Von diesen Versuchen existieren noch heute zahlreiche Fragmente (Düsenantrieb, Prototypen), die über ein großes Gebiet im Ontariosee verstreut sind. Bei der Suche hilft nun Fraunhofer-Technologie: Aufgabe des ThunderFish alpha ist es, möglichst große Teile des Ontariosee-Bodens mit einem High-Tech Sonar abzuscannen. Die Daten werden schon während der Tauchfahrt in Echtzeit ausgewertet und geben genaue Hinweise auf mögliche Fundstellen. Das Untersuchungsgebiet wird dabei auch als »Kanadisches Bermuda-Dreieck« bezeichnet, da dort neben den Flugzeugfragmenten weit mehr als 100 Schiffwracks vermutet werden. Mit Hilfe des ThunderFish alpha wurden Ende August bereits Teile der Trägerraketen im Ontariosee aufgespürt. Der Durchbruch gelang am 07. September, als erstmals ein 1:8 Modell des Flugzeuges im Ontariosee geortet werden konnte.

Detektierte Fragmente im Ontariosee (Sonarbild des ThunderFish alpha Unterwasserfahrzeugs). Foto: Kraken Sonar Inc.

Dieser Fund erzeugte in Kanada ein gewaltiges Medienecho, bis hin zu einer Veröffentlichung in der New York Times. Finanziert wird die Suche von einem kanadischen Unternehmer, der das Projekt im Rahmen der »Raise the Arrow« Kampagne unterstützt.

 

Erster Sucherfolg mit Hilfe aus Thüringen: Die Trägerrakete der CF-105 auf dem Grund des Ontariosees. Foto: Kraken Sonar Inc.