Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

»100 Orte für Industrie 4.0«: Fraunhofer IOSB für seine KI-Kompetenz ausgezeichnet

»100 Orte für Industrie 4.0«: Fraunhofer IOSB für seine KI-Kompetenz ausgezeichnet

Karlsruhe, 4.12.2019

Künstliche Intelligenz (KI) ist schon heute mehr als abstrakte Technologie – in der Produktion kann der Einsatz von KI und Maschinellem Lernen (ML) Kosten reduzieren, die Qualität verbessern oder Durchlaufzeiten verkürzen. Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB treibt solche KI-Anwendungen für Smart Factories seit Jahren voran und hat ihr Potenzial bereits verschiedentlich in Kundenprojekten unter Beweis gestellt. Jetzt ist das Institut dafür im Rahmen des Wettbewerbs »100 Orte« der Allianz Industrie 4.0 ausgezeichnet worden.

Um KI in der Produktion gewinnbringend einzusetzen, sind eine Reihe von Herausforderungen zu bewältigen: Es gilt, die richtigen Daten aus Maschinensteuerungen und Sensoren zu gewinnen. Weiter müssen die passenden Methoden maschinellen Lernens gewählt werden, um aus den Daten Modelle zu erzeugen (zu »lernen«), und es ist eine geeignete IT-Systemarchitektur zu schaffen, um Daten und Modelle schnell verarbeiten zu können (Stichwort: Edge Computing). Außerdem müssen Methoden und Anleitungen entwickelt werden, wie sich typische Anwendungsfälle von ML in der Produktion leicht umsetzen lassen. Zu allen diesen Bereichen forscht das Fraunhofer IOSB und entwickelt konkrete Lösungen.


KI-Methoden werden bei Kunden und in Demo-Fabriken erprobt

Getestet werden die Fraunhofer-Lösungen zum Beispiel bei einem Automobilhersteller, wo 3D-Fehlerbilder auf Karosserieteilen erkannt und die dafür verantwortlichen Prozessparameter automatisch angepasst werden sollen. Die KI-Lösung »PUMon – Process Unit Monitoring« kommt bei der Bayer AG zum Einsatz: Sie erkennt Komponenten, die kurz vor dem Ausfall stehen und sorgt für rechtzeitigen Ersatz. So vermeidet Bayer Unterbrechungen von chemischen Prozessen und spart nachweisbar Geld. Das Fraunhofer IOSB untersucht, wie KI in verschiedenen Fertigungsunternehmen eingesetzt werden kann – und zwar in konkreten Projekten mit Anwendungspartnern und in eigenen Demo-Fabriken. Um innovative Lösungen und unvollständig verstandene Prozesse mithilfe von KI zukünftig schneller in die Industrie überführen zu können, eröffnet die Fraunhofer-Gesellschaft in Kooperation mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) 2020 die Karlsruher Forschungsfabrik.

Dr. Olaf Sauer, Stellvertreter des Institutsleiters des Fraunhofer IOSB und Koordinator der Forschungsfabrik, nahm die Auszeichnung von Wirtschaftsstaatssekretärin Katrin Schütz entgegen. Er erklärte: »Wir sind stolz auf die Auszeichnung, weil sie uns darin ermutigt, dass wir mit unseren Plänen und Projekten die richtige Richtung eingeschlagen haben. Mit der Forschungsfabrik verfügen wir über ein Entwicklungs- und Demonstrationszentrum für neue herausfordernde Fertigungsverfahren, das Industrie mit Wissenschaft verbindet. Als Testfeld für die Fabrik der Zukunft können darin Ergebnisse aus bereits laufenden Projekten, etwa dem Fraunhofer-Leitprojekt ›ML4P – Machine Learning for Production‹, in einer realen Umgebung erprobt werden. Wir freuen uns, dass unser bedeutender Beitrag zu Industrie 4.0 jetzt im Rahmen des Wettbewerbs gewürdigt wurde.«
 

 


Fraunhofer IOSB erhält »100 Orte«-Auszeichnung bereits zum zweiten Mal

Im Wettbewerb »100 Orte« der Allianz Industrie 4.0 werden baden-württembergische Unternehmen ausgezeichnet, die federführend im Bereich Industrie 4.0 sind. Beim aktuellen Fokusthema »Künstliche Intelligenz« stand die Frage im Mittelpunkt, wie mögliche KI-Anwendungsfälle in der Produktion aussehen. Eine Expertenjury aus Vertretern aus Wirtschaft, Industrie- und Handelskammer, Gewerkschaft und Politik bewertet Marktrelevanz und Innovationsgrad der Bewerber.

Bereits im Startjahr des Wettbewerbs 2015 wurde das Fraunhofer IOSB für das Projekt »Secure PLUGandWORK« ausgezeichnet, das Maschinen und ihre Komponenten befähigt, maschinenlesbare Selbstbeschreibungen auszutauschen – ähnlich wie bei USB-Anschlüssen am PC. Damit werden Maschinen, Anlagen und deren Komponenten schneller und sicherer als bisher an überlagerte IT-Systeme angeschlossen – eine unumgängliche Voraussetzung für Interoperabilität im Kontext von Industrie 4.0 und dem industriellen Internet der Dinge.

Die Allianz Industrie 4.0 ist ein Netzwerk des Wirtschaftsministeriums Baden-Württembergs mit dem Ziel Kompetenzen aus Produktionstechnik sowie Informations- und Kommunikationstechnik zu bündeln und den industriellen Mittelstand in Richtung Industrie 4.0 unterstützend zu begleiten.

Produktionsprozesse in der chemischen Industrie sind komplex: Demo-Anlage zur Modellierung mittels Maschinellen Lernens im Labor des Fraunhofer IOSB. © Fraunhofer IOSB/M. Zentsch


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Bannerbild: Staatssekretärin Katrin Schütz übergibt am 3. Dezember 2019 die Auszeichnung an den Vertreter des Fraunhofer IOSB, Dr.-Ing. Olaf Sauer. © Wirtschafts­minis­terium/Martin Storz