Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung

Die moderne Video-Notrufsäule "NurseEye"

Laut Schätzung des statistischem Bundesamts werden im Jahre 2050 ca. 23 Millionen Menschen in Deutschland 65 Jahre und älter sein. Das wären dann 33% unserer Bevölkerung. Fast 52.000 Menschen werden das Alter von 100 Jahren erreichen, Tendenz steigend. Der Bedarf an qualifizierten Betreuungs- und Pflegekräften wächst stetig, ihn zu befriedigen, wird immer schwieriger. Moderne Technologien können zukünftig in Krankenhäusern und Pflegeheimen das Personal dabei unterstützen, Flure und Verkehrswege im Auge zu behalten, um in Notfällen sofort zu reagieren.

 

Nach Ende der Besuchszeit ist der Stationsflur plötzlich still und leer. Die meisten Patienten sind in ihren Zimmern, der Rundgang der Visite wurde soeben beendet. Ab jetzt wird die Anzahl des Pflegepersonals für die Spät- und Nachtschicht auf ein Minimum reduziert. Eine einzelne Pflegekraft ist nun für bis zu 4 Stationen zuständig. Unterstützt wird Sie dabei durch eine neue intelligente Videoüberwachung. Die langen unübersichtlichen Flure und Verkehrswege zwischen den Stationen sind deshalb mit Videokameras ausgestattet.

 

Ihre Daten werden durch eine spezielle Software ausgewertet, welche gestürzte oder in andere Notlagen geratene Personen selbstständig erkennt. Mitarbeiter des Krankenhauses oder andere Personen haben keinen Zugriff auf die Videos. Wenn das Kamerasystem einen Notfall erkennt, erhält der nächste Mitarbeiter ein Alarmsignal auf sein mobiles Endgerät. Nur wenn er den Alarm bestätigt und somit übernimmt, hat er Zugriff auf das Videomaterial der Kamera und bekommt den genauen Ort des Geschehens auf einer Karte angezeigt. Kann ein Alarm nicht innerhalb einer gewissen Zeit bestätigt werden, wird die Meldung an weitere Stationen bzw. Mitarbeiter verteilt.

 

Eine einfache Zeigegeste wird von der Kamera erkannt und sendet automatisch eine Meldung an das Personal, z. B. auf ein mobiles Endgerät. Foto: Manfred Zentsch © Fraunhofer IOSB 2013

 

Datenschutz hat höchste Priorität

 

Natürlich stellt Videoüberwachung im Krankenhaus besondere Anforderungen an den Datenschutz und die Akzeptanz der Betroffenen. Am Fraunhofer IOSB ist man sich dessen bewusst und geht gezielt auf mögliche Sorgen der Betroffenen ein: Alle Kameras sind mit Monitoren versehen, auf denen man jederzeit erkennt, wie die erfassten Daten ausgewertet werden. Solange kein Notfall erkannt wurde, werden die Daten nur durch eine spezielle Software ausgewertet, und Betroffene – Patienten wie Krankenhauspersonal – können sich sicher sein, dass ihre Privatsphäre optimal geschützt ist. Wenn ein Notfall erkannt wurde, wechselt das Bild des Monitors, so dass der hilfesuchende Patient erkennen kann, dass bereits Hilfe alarmiert wurde.

 

Sobald der Alarm durch eine Pflegekraft bestätigt wurde, baut das System eine Videoverbindung zwischen diesem Mitarbeiter und dem betroffenen Patienten auf. Somit kann der Mitarbeiter die Situation einschätzen und beruhigend auf den Patienten einwirken. Der Patient kann sich sicher sein, dass Hilfe zu ihm unterwegs ist und weiß, dass seine Daten nicht durch einen anonymem Dritten sondern nur durch einen bekannten Mitarbeiter ausgewertet werden.

 

Auf der CeBIT 2014 wird das Videosystem erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist zu sehen in Halle 9 auf dem Stand der Fraunhofer-Gesellschaft.

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